Das Schiff und die Reise ins Leben
Um den Zusammenhang von Selbstregulation und Orientierungsfähigkeit zu veranschaulichen, nutzen wir bei BeSOS die Metapher vom Segelschiff. Ein Schiff ist nie statisch, sondern immer in Bewegung! Ob von ruhiger See getragen oder durchgeschüttelt von Sturm und Wellengang, es braucht auf hoher See viele Fertigkeiten. Damit symbolisiert die Schiffsreise das Leben selbst mit all seinen Unwägbarkeiten und Herausforderungen. Wir begreifen Schule als jenen „sicheren Hafen”, in dem diese Reise beginnt und junge Menschen selbstbewusst „in See stechen” können.
Das Schiff erfüllt dabei zwei Aufgaben: Es zeigt uns, wo wir uns im Überlebensmodus befinden, wenn wir uns in die Kajüte zurückziehen und kaum noch orientierungsfähig sind. Und es dient als eigenständiges Resilienzmodell für Kinder und Jugendliche, um zu verstehen, welche Kräfte und Fähigkeiten notwendig sind, um Kurs zu halten, Orientierung zu gewinnen und wieder ins Handeln zu kommen.
Besonders stark ist dieses Bild, weil es nicht abstrakt bleibt, sondern die Vorstellungskraft aktiviert: Jede und jeder kann sich vorstellen, an Bord zu sein, das Steuer zu ergreifen und den Wind in den Segeln zu spüren.
Das Schiff steht damit nicht nur für Sicherheit und Selbstwirksamkeit, sondern auch für Abenteuer und Aufbruch.
Das Meer steht für die äußeren Umstände und für den persönlichen Stresspegel. Je höher die Wellen, desto leichter übernimmt das „Krokodilhirn” die Kontrolle. Schlafmangel, Hunger oder zu viel Druck lassen die Wellen steigen. Und schon reicht eine Kleinigkeit, um in den Überlebensmodus zu rutschen.
Im „Überlebensmodus” streichen wir die Segel und ziehen uns in die Schutzkajüte zurück. Wir geben das Steuer auf: Kampf, Flucht oder Erstarrung übernehmen und Lernen oder pädagogische Beziehungsgestaltung sind kaum mehr möglich. Die Schutzkajüte ist die „sichere Option”, um bei Sturm nicht “über Bord zu gehen”.
Die Karte steht für die Selbstwahrnehmung: Wo stehe ich gerade? Wie geht es mir? Wer ist am Steuer – ich oder mein Krokodilgehirn? Nur wenn ich meinen Standort kenne und überprüfe, kann ich den Kurs neu bestimmen und Segel setzen.
Das Steuer steht bei BeSOS im Mittelpunkt und symbolisiert die Selbstregulation. Das ist die Fähigkeit, in belastenden Situationen aktiv gegenzusteuern. So schwierig die Lage auch ist: Solange ich am Steuer bin, kann ich meine Richtung halten. Die BeSOS-Toolbox bietet konkrete, leicht anwendbare Techniken zur Selbstregulation.
Die Schiffsglocke erinnert daran, Hilfe zu holen. Niemand muss Krisen allein bewältigen. Zu erkennen, wann ich um Hilfe bitten muss und diese Unterstützung annehmen zu können, ist ein wichtiger Bestandteil von Resilienz und Beziehung.
Das Segel repräsentiert die Selbstwirksamkeit: das Gefühl, dass mein Handeln Wirkung hat. Erst wenn Wind und Segel zusammenspielen, entsteht echte Bewegung.
Sie kennen vielleicht das berühmte Sprichwort:
„Wir können den Wind nicht ändern, aber die Segel anders setzen. “ (Aristoteles)
Der Wind steht für das Sinnerleben, die Frage nach dem ‚Warum‘. Er ist oft unsichtbar und wird leicht übersehen, dabei ist er der eigentliche Antrieb! Ohne Wind bleibt das Schiff in der Flaute liegen – selbst unter gesetzten Segeln. Den Wind aber können wir nicht gut beeinflussen; er verbindet uns mit unserer Umwelt.